Pädagogischer Tag Januar 2025

Pädagogischer Tag

Umgang mit Unterrichtsstörungen

 

Was macht Kinder stark?

Der zweite pädagogische Tag im laufenden Schuljahr beschäftigte sich mit dem Thema „Was macht Kinder stark?“, einem weiteren Baustein des Oberthemas „Classroom Management“. Durchgeführt wurde die Fortbildung von Stefan Schlifke, einem Ausbilder des Anbieters Konflikt-Kultur in Freiburg, der selbst an einer Gemeinschaftsschule in Karlsruhe als Lehrer tätig ist. Er konnte kompetent und informativ aus der pädagogischen Praxis berichten und gab zahlreiche nützliche Tipps für den richtigen Umgang mit Unterrichtstörungen.

Die Veranstaltung bot die Möglichkeit, „Sanktionen gegen einzelne Schüler/innen als Schutzmaßnahmen für die gesamte Klasse zu verstehen“, und hatte das Ziel „Unterrichtsstörungen verhindern zu können bevor diese entstehen“, sprich durch gutes Classroom Management die Selbststeuerung der Schüler/innen, Motivationsprozesse und Verhaltensmuster positiv zu beeinflussen.

Lernerfolg und die Resilienz

Laut Schlifke hängen Lernerfolg und die Resilienz (die Fähigkeit mit Frustration umzugehen) in erster Linie von der Beziehungsarbeit zwischen Lehrer/in und Schüler/in ab. Sowohl verstehende Zuwendung als auch Führung seien vonnöten, um erfolgreich lehren und lernen zu können. Das bedeute für Lehrkräfte „klare, transparente, ehrliche Ansagen zu machen und nicht über die Aufgaben und Sanktionen zu verhandeln“. Zuwendung hieße „Verstehensgespräche zu führen und angemessen auf die Schülerbedürfnisse zu reagieren“. Führung bedeute, den Schülern und Schülerinnen „Ziele zu setzen, Vorbild zu sein, Motivation zu wecken, und durch positive Autorität eine geschützte Lernatmosphäre herzustellen“.

Schlifke erklärte, dass heutzutage mindestens 10% aller Kinder schwere Verhaltensauffälligkeiten aufwiesen im Hinblick auf die Fähigkeit, sich selbst zu kontrollieren.

Die Idee, sich zurückzunehmen, käme oft zu kurz. Warten zu können, fällt vielen Kindern sehr schwer. Gruppendynamik und Heterogenität erschwerten die Konsensfindung in der Klassengemeinschaft ebenso wie der Leistungsdruck.

Grundbedürfnisse der Schüler und Schülerinnen verstehen

Um die Dimension dieser Verhaltensauffälligkeiten besser zu verstehen, lud Schlifke ein, die wesentlichen fünf Grundbedürfnisse der Schüler und Schülerinnen zu untersuchen:

  1. das Bedürfnis nach (Selbst-) Sicherheit, Orientierung, Schutz und Verlässlichkeit
  2. den Wunsch nach Liebe, Zuwendung und Zugehörigkeit. Freundschaft und Solidarität
  3. das Gefühl von Freiheit, Kontrolle, Partizipation, Einfluss und Selbstwirksamkeit
  4. das Lernen mit Leidenschaft, Neugier, Spieltrieb, Unterhaltung und Entspannung
  5. das Streben nach Leistung, Anerkennung, Erfolg, Ansehen, Status, Wertschätzung,

Wenn wir Lehrende uns vergegenwärtigten, wie vielfältig und vielgestaltig diese Bedürfnisse seien, könnten wir die Dimensionen von Verhaltensstörungen besser erahnen und entsprechend angemessen mit Konsequenzen und ggf. mit Sanktionen darauf reagieren. Dabei könnten zum Beispiel Belohnungssysteme für gutes Arbeitsverhalten, eine straff geregelte Arbeitsphase im Unterricht oder persönlich ausgesprochene Auszeiten für einzelne Schüler/innen eine gute Rolle spielen.

Klare Regeln helfen beim Lernen

Entscheidend für den Lernerfolg sei, so Schlifke, in erster Linie ein eindeutig formuliertes Regelwerk, an dem sich die Lernenden orientieren können, dazu gehören die Pünktlichkeitsregel, die Materialregel (notwendige Arbeitsutensilien sollten immer verfügbar sein) und klare Verhaltensregeln (z.B. Essen nur in Pausenzeiten erlaubt).

Unter dem Strich bot der pädagogische Tag sehr viel Wissenswertes und viele konkrete Hinweise zur Realisierung guten und störungsfreien Unterrichts, wofür wir Herrn Schlifke sehr dankbar sind.

von Nils Klatte (02.02.25)