Stern ohne Himmel

Überzeugende Theateraufführung von „Stern ohne Himmel“

Aufführung am Holocaust Gedenktag

Die Aufführung des Schultheaterstückes „Stern ohne Himmel“ nach dem Roman von Leonie Ossowski (Inszenierung Anette Niefindt-Umlauff) erfolgte bewusst am 27 Januar, denn dieses Datum erinnert an die Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz-Birkenau im Frühjahr 1945 und ist der internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust in Deutschland. Das Theaterstück beschäftigt sich mit der Thematik der Judenverfolgung und dem Genozid im sogenannten „Dritten Reich“.

Freundschaft oder Pflichterfüllung in Zeiten des Krieges?

Es spielt in den letzten Kriegstagen 1945 in einem ostdeutschen Alumnat. Viele Flüchtlinge ziehen durch eine Stadt im Osten Deutschlands, verfolgt von russischen Truppen. Im Schulbetrieb wird versucht, die Normalität aufrecht zu erhalten, auch wenn zwischen dem Nazi-Rektor Jähde  (gespielt von Fynn Loewe) und Musiklehrer Nagold (Sophia Marx) eine tiefe Feindschaft besteht.

Willi (Merle Fuß) und Antek (Yann Ertinger), beide in der Hitlerjugend, gehören zu einer Gruppe von Alumnatsschüler*innen. Die Jungen und Mädchen haben mitten im Kriegschaos einen Ort gefunden, wo sie vor der Welt der Erwachsenen sicher sind. Sie haben Zugang zu einem Kellerraum, der ein Nahrungsmitteldepot voller Wurstwaren und Eingemachtem enthält. Dies ist ihr Versteck und ihr Geheimnis. Als die Gruppe eines Tages die Tür zum Keller aufsperrt, entdeckt sie zwischen Kisten und Büchsen einen jüdischen Jungen namens Abiram (Luana Petrehele). Der junge Flüchtling ist verängstigt, er konnte fliehen, aber seine Eltern sind im KZ umgekommen, wie er später erzählt. Im Prinzip müssten die Jugendlichen ihn melden, aber damit würde auch ihr Versteck auffliegen. Willi, der neidisch ist auf seinen Freund Antek, welcher viel Zeit mit seiner Freundin Ruth (Mathilda Pries) verbringt, entschließt sich, Rektor Jähde zu informieren und die Gruppe zu denunzieren.

Tolle Leistung von Schauspiel-Ensemble und Technik

Die Amos-Schüler*innen der Stufen 6 bis 10 (EF) schafften es, dieses anspruchsvolle Stück zum Leben zu erwecken, und die Beklommenheit, die die Zuschauer*innen dabei erfasst, ist in der Aula zum Greifen nahe. Das gelingt besonders durch das überzeugende Spiel aller jungen Darsteller*innen, allen voran Merle Fuß, als dem zwischen Freundschaft und Führergehorsam hin- und hergerissenen Willi. Ebenso überzeugend ist Sophia Marx als Lehrer Nagold. Für beide war es eine besondere Herausforderung, da die Mädchen männliche Rollen spielten. Mit einer durchweg guten Besetzung, auch in den Nebenrollen (stark: Ida Iisalo als Paule, Anouk Püttmann als Zick und Denis Tränkner als Soldat), gelang es den Schauspielenden, die Gefühle der damaligen Zeit: z.B. Angst vor Verfolgung, Mut und Vertrauen, aber auch Falschheit und Verrat glaubhaft darzustellen.

Die sehr gelungene Aufführung wurde untermalt von klug ausgewählter Musik, einem sehr informativen Programmheft (A. Niefindt-Umlauff/ Layout: J. Niedrich) und dem Einsatz von Videoeinspielfilmen (Ausstattung u. Technik: I. Umlauff, K. Kiehne, F. Panitzki, u.a.), die die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges mit all seiner Zerstörung und dem Flüchtlingselend gegenwärtig scheinen lässt; Bilder, die auf erschreckend zeitlose Weise an die derzeitige Situation in der Ukraine erinnern.

Von Nils Klatte, Fotos: Ian Umlauff