
Am 20.11. 2025 durften wir, alle Oberstufenkurse, in der Aula einen Einblick in das Leben und die Romane der momentanen Bonner Stadtschreiberin Svenja Leiber erhalten. Unter einem Stadtschreiber/ einer Stadtschreiberin versteht man eine/n Schriftsteller/-in, welche/r durch ein Stipendium für eine befristete Zeit in einer Stadt lebt und dort Texte schreibt, um die kulturelle Vielfalt zu fördern.
Die Lesung wurde eingeleitet mit einem „Aufwachstück“ am Flügel von Ferdinand Seibold. Dann wurde uns die Stadtschreiberin kurz von den Moderatoren Nicolas, Matthias und Nepomuk vorgestellt.
Svenja Leiber wurde 1975 in Hamburg geboren und wuchs dann in der Nähe von Lübeck in einem Dorf mit nur 35 Einwohnern auf. Sie studierte Geschichte und lebt heute in Berlin mit ihren Kindern. Von September bis November war ihr Wohnsitz in Muffendorf, welches ihr aufgrund der „vielen kleinen Schleichwege“ sehr gefällt. Svenja Leiber erzählte, dass es ihr die Kultur hier in Bonn sehr angetan habe. Sie besucht gerne das Theater in Bad Godesberg, schaut sich die vielen Kirchen an und nimmt an Gottesdiensten teil. Die Hälfte ihrer hier verbrachten Zeit habe sie mit dem Fertigstellen eines Romans verbracht, an welchem sie schon seit drei Jahren arbeitet, sagte sie. Danach habe sie angefangen an ihrem neuen Roman über jegliche Formen von Abhängigkeiten zu schreiben.
Die Autorin erklärte, dass es viel Recherche braucht, um ein Buch zu schreiben, in das sich die Leser gut hineinversetzen können. Besonders bei historischen Texten achte sie zum Beispiel auf die Zeitumstände: Wie fühlte sich damals die Temperatur an, wie war der Geruch? Sie reist auch an die Orte, an denen die Geschichten spielen, so war sie in Polen und Russland für den Roman, aus dem sie anschließend vorlas: „Kazimira“. Der Roman handelt von dem größten Bernsteinabbau in der Geschichte und von Frauen, die sich gegen Hass und Gewalt stellen. Im vorgelesenen Abschnitt geht es um die Urenkelin der Hauptfigur Kazimira, welche Jela heißt und die es aufgrund ihrer Krankheit in der Zeit der Nationlsozialisten sehr schwer hat.
Nachdem Svenja Leiber den Auszug vorgelesen hatte, durften wir Fragen an sie stellen.
Dabei erfuhren wir, dass sie nur zufällig durch eine Lesung von einem Schweizer Verleger angesprochen worden war, welcher ihr den Durchbruch ermöglichte.
Sie sprach ebenfalls über den Arbeitsprozess ihrer Romane, welcher bis zu 5 Jahre dauern kann.
Nach der Fragerunde wurden noch zwei weitere Bücher von ihr vorgestellt und ganz zum Schluss spielte Ferdinand Seibold noch ein weiteres Stück von Bach als Abschluss.
Ich fand es sehr interessant einen Einblick in das Leben und das Schreiben der derzeitigen Bonner Stadtschreiberin Svenja Leiber zu gewinnen. Für mich war es sehr neu und auch überraschend, was alles zum Arbeitsprozess eines Romanes gehört, so zum Beispiel das Reisen an bestimmte Orte.
Carolin Raimann (EF)
Romane von Svenja Leiber, z.B.
Das letzte Land, Suhrkamp 2014
Staub, Suhrkamp 2018
Kazimira, Suhrkamp 2021

