Stadtschreiberin Julia von Lucadou

Lesung mit Bonns erster Stadtschreiberin: Julia von Lucadou – „Schreiben bietet große Freiheit“

Am 22.1. 2019 las Julia von Lucadou in der Amos-Aula. Die Schüler/innen der EF und der Q1 erlebten die erste Stadtschreiberin Bonns und kamen mit ihr lebhaft ins Gespräch über das Genre Zukunftsromane, die Herausforderungen der wachsenden Digitalisierung und die Auswüchse einer Leistungsgesellschaft. Dank auch an Frau Ter-Nedden von der Parkbuchhandlung, die den Kontakt hergestellt hatte, und an Frowin Wild, der mit seiner Gitarre für den musikalischen Rahmen der Veranstaltung sorgte.

Julia von Lucadou wurde 1982 in Heidelberg geboren, studierte Filmwissenschaften, promovierte und arbeitete u.a. als Regieassistentin bzw. als Redakteurin beim Fernsehen. Der hohe Leistungsdruck und die Unfreiheit im Schaffensprozess bewegten sie dazu, die Film- und Fernsehszene hinter sich zu lassen. Sie nahm und nimmt sich die Freiheit des Schreibens. Abwechselnd lebt sie in der Schweiz, d.h. in Biel, in New York und Köln und nun bis Ende Februar vorübergehend in Bad Godesberg. Den dreimonatigen Aufenthalt hier im Rheinland findet sie „großartig“. Ihr Debüt als Schriftstellerin ist noch nicht lange her. Im Hanser Verlag erschien 2018 der Roman „Die Hochhausspringerin“, aus dem sie auf beeindruckende Weise vorlas: Zwei weibliche Hauptfiguren stehen in der Geschichte, die in der (nahen?) Zukunft spielt, im Vordergrund. Erzählt wird die Geschichte der Hochhausspringerin Riva, die für ein Millionenpublikum immer perfekt Leistung zeigen muss und bis an die körperlichen Grenzen geht. Ein kleiner Fehler wäre tödlich. Als sie plötzlich aufhört zu trainieren und auch jede Kommunikation verweigert, bekommt die Psychologin Hitomi den Auftrag, Riva zur Vernunft zu bringen. Sollte dies misslingen, droht beiden der Ausschluss aus der Gesellschaft, die Verbannung in die Peripherie der luxuriösen Mega-City.

Die Schüler/innen hatten zahlreiche Fragen an die Autorin zum Schreiben, zur Stoff-Findung, zur Erzählhaltung und zu neuen Projekten. Nachdem die Schüler/innen die Autorin gefragt hatten, wie sie z.B. auf die Idee zu dem Beruf Hochhausspringerin kam, wollte sie vom Publikum auch etwas wissen: Wie leben wir in der heutigen Zeit der „Socialmedia-Perfektion“? Wie gehen wir mit dem, was wir sehen, um? Was für ein Bild entsteht von sich selbst und Anderen, wenn eigentlich immer ein Filter über allem liegt? Einige gaben interessante Antworten: „Man muss wissen, dass das, was wir zu sehen bekommen, nicht echt ist. Manchmal hilft es einfach abzuschalten, bestimmte Socialmedia-Kanäle zu vermeiden und nur in kleinen Dosen zu konsumieren.“ „Das Leben leben, nicht posten.“

Es ist nicht immer einfach in einer digitalisierten Welt zu leben und wie weit wir von einer Gesellschaft, wie sie im Roman „Die Hochhausspringerin“ dargestellt wird, entfernt sind, ist gar nicht absehbar. Ein Grund mehr, warum unserer „Noch-zu-lesen-Liste“ ein Buch hinzugefügt wurde nach diesem spannenden Gespräch!

Pauline Gericke und Dr. Cordula Grunow