Stadtschreiber Kristof Magnusson

Mit Humor die Perspektiven wechseln

Am Donnerstag, den 21.11.2024, war der 7. Bonner Stadtschreiber Kristof Magnusson im Amos zu Gast. Zum Auftakt spielten Leonie Philippen (Klavier) und Malte Schramm (Saxophon) von den Bee Gees „How deep is your love“ – ein Lied, das Magnusson, der selbst ein Buch über die „Pet Shop Boys“ schrieb und ausgebildeter Kirchenmusiker ist (C-Schein), demnächst gerne mal wieder in einer Karaoke-Bar zum Besten geben könnte, so sein Kommentar.

Die Moderation der Lesung übernahmen Johanna Blomer und Charlotte Tollmann aus der Q2. Themen waren u.A. sein Stadtschreiberdasein im Rheinland, sein Leben in Berlin, seine wiederholten Aufenthalte in Island. Zu Island habe er seit seiner Kindheit eine persönliche Verbindung – sein Vater ist Isländer und es seien immer viele isländische Gäste bei ihnen Zuhause in Hamburg gewesen. Seit Jahren gehört Magnusson zu den wenigen Übersetzern isländischer Literatur, das bringe kaum Geld ein, mache aber Freude. Er erzählte, dass „Besserwisser“ als einzige deutsche Vokabel in die isländische Sprache aufgenommen worden ist, würden doch sonst Isländer für alles gerne selbst neue Wörter erfinden, es gäbe sogar entsprechende Wettbewerbe.

Gelesen wurde auf Wunsch der Moderatorinnen aus seinem Island-Buch und aus seinem „Arztroman“, das humorvolle Spiel mit Klischees war dabei nur ein interessanter Aspekt. Humor sei wichtig, um die Perspektive zu wechseln, so Magnusson. Außerdem ist er ein Mann des Theaters und kennt sich mit Verfilmungen seiner Werke aus. Deutlich wurde, dass ihn vieles interessiert. Ihm werde schnell langweilig, wenn sich zu viel Routine, zu viel Gleichförmiges einstellen würde. Tatsächlich, meinte er, habe er keinen „Markenkern“. Schließlich gab es reichlich Gelegenheit für das Publikum (EF und Q2) mit dem Autor, der übrigens bisher selten in Schulen gelesen hatte, ins Gespräch zu kommen. Es war ihm ein Vergnügen. Gerne würde er mit Amos-Schüler/innen zu anderer Gelegenheit nochmal zusammenkommen, z.B. bei seinem nächsten Theaterprojekt in Köln. Gute Idee! Irgendwie passend, dass die Lesung in der Kulisse von „Ronja Räubertochter“ stattfand.

Cordula Grunow

Fotos: Paul van Haeff


 

Kristof Magnusson ist der 7. Bonner Stadtschreiber

Am Samstag, den 07.09.2024, wurde der neue Stadtschreiber in der Parkbuchhandlung begrüßt. Kristof Magnusson, wohnhaft in Berlin, genießt es, in Ruhe schreiben zu können. Die letzten Monate verbrachte er als Stipendiat in Rom (Villa Massimo), nun freut er sich darauf, drei Monate im Rheinland zu verbringen und an seinem dort begonnenen neuesten Roman weiterzuschreiben, der teilweise an Bonner Schauplätzen handeln wird. Mit seiner Schreibmaschine richtete er sich gleich in einer Rüngsdorfer Wohnung ein. Wir freuen uns auf eine Lesung im Amos.

Zur Person:

1976 in Hamburg als Sohn deutsch-isländischer Eltern geboren. Ausbildung zum Kirchenmusiker bei der evangelischen Landeskirche Nordelbien. Zivildienst mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V. in New York City in der Sozialarbeit mit Holocaustüberlebenden und Obdachlosen. Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und der Universität Reykjavík. Schreibt Romane und Theaterstücke. Übersetzt aus dem Isländischen. Engagiert sich für Literatur in Einfacher Sprache, unterrichtet gelegentlich an Unis und kuratiert Literaturveranstaltungen.

Lesetipps:

Ein Mann der Kunst, Roman, Verlag Antje Kunstmann 2020

Arztroman, Roman, Verlag Antje Kunstmann 2014

Das war ich nicht, Roman, Verlag Antje Kunstmann 2010

Gebrauchsanweisung für Island, Piper 2011

Sushi für alle, Komödie, Verlag der Autoren 2010

Männerhort, Komödie, Verlag der Autoren 2002

 

Dr. Cordula Grunow