Stadtschreiber Albrecht Selge

Der fünfte Bonner Stadtschreiber Albrecht Selge – „Es geht immer darum, in Bewegung zu bleiben.“

Am 16.11.22 las der fünfte Bonner Stadtschreiber Albrecht Selge in der Amos-Aula. Die Jahrgangsstufe Q2 bildete das Publikum, der Leistungskurs Deutsch (Frau Barth) hatte die Lesung vorbereitet.

Mit dem musikalischen Auftakt konnte sich das Publikum vom Unterrichtsalltag kurzzeitig verabschieden – Dank an David Thiesen aus der Q2, der mit seinem virtuosen Geigenspiel, am Flügel von einer Musikstudentin begleitet, alle verzauberte, auch den musikbegeisterten Autor.
Anna-Lena Schumann und Emma Needham (Lk Deutsch Q2) moderierten die Veranstaltung charmant und lebendig. Ein einziges Adjektiv solle er nennen, um sein momentanes Stadtschreiberdasein zu beschreiben. „Still“, lautete seine Antwort, da er noch nie so viel Ruhe zum Schreiben gehabt hätte, denn Zuhause in Berlin hielten ihn seine drei Kinder und seine Frau auf Trab. Nun könne er sich voll konzentrieren und sein Roman, an dem er gerade schreibe, habe auch etwas mit Stille und Schweigen zu tun.

Die vorbereiteten Interviewfragen zu seinem „Beethovn“-Buch, mittlerweile als Taschenbuch erschienen, und seinem neuesten Fantasy-Roman „Luyanta“ brachten den Autor ins Nachdenken. Die Aufgabe der Moderatorinnen: „Nennen Sie vier Adjektive, die für das jeweilige Werk treffend sind“, ließ ihn zögern. „Oh, das ist schwer.“ Zum Erstaunen des Publikums nannte Selge bei den beiden ganz unterschiedlichen Romanen das Adjektiv „komisch“, was zu der Publikumsfrage führte: „Wie kann das sein?“ Selge meinte, dass ihm die Komik als Element grundsätzlich beim Schreiben wichtig sei. „Die Welt karikieren.“ Auf die Frage, ob es etwas gäbe, was alle seine ganz unterschiedlichen Romane gemeinsam hätten, erläuterte er: Es gehe immer darum, in Bewegung zu sein und zu bleiben. Das sei menschlich. Die Frage nach dem „Wohin wollen wir?“ begleite uns wohl alle ein Leben lang, auch wenn sicher zwischendurch Etappenziele erreicht würden. Und das fließe in alle seine Romane ein.

Der letzte Geigenton von Davids musikalischem Betrag am Schluss vereinte sich mit dem Schulgong. Tolle Schule, tolle Schüler/innen, meinte Selge zum Schluss, der einst selbst Schüler eines evangelischen Gymnasiums in Berlin war und Deutsch als Leistungskurs gewählt hatte.
Am 27.1.23 wurde Albrecht Selge im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses als Stadtschreiber verabschiedet. Die Moderation lag bei Malte Boecker, Direktor des Beethovenhauses, das „Trio Solaris“ sorgte für wunderbare musikalische Beiträge u.a. von Beethoven und Schubert. Selge las aus seinem Beethovn-Buch und stellte einige Passagen aus seinem neuesten Roman-Skript mit dem Arbeitstitel „Silence“ vor. Abschließend gefragt, ob er Beethoven oder Schubert mehr möge, meinte Selge, bereits die Schüler/innen hätten ihn gefragt, ob Beethoven sein Lieblingskomponist sei. Er habe geantwortet: „Schubert.“ Eine ehrliche Antwort an berühmtem Ort. Das Publikum, darunter auch Amos-Schüler/innen, applaudierte abschließend lang anhaltend.

Dr. Cordula Grunow