Reformationsgottesdienst fordert mehr Mut zum kritischen Denken
Die jüngst erst renovierte, prall gefüllte Johanneskirche bot einen wunderbaren Rahmen für den diesjährigen Reformationsgottesdienst, inhaltlich vorbereitet von der Klasse 9b unter Leitung von Frau Appel. Die Predigt hielt Herr Dr. Flüchter, Dezernent für schulische Bildung im Landeskirchenamt der EKiR. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand das Motto: Habe „Mut, selber kritisch zu denken.“
In einem digitalen Anspiel hatten Schüler der neunten Klasse demonstriert, wie schwer es manchmal sein kann, selbst bei so alltäglichen Dingen wie dem Wunsch nach neuen „trendigen“ sehr teuren Sportschuhen, mutig zu sein und sich gegen den Druck der anderen zu stellen. Dr. Flüchter, selbst Vater von jugendlichen Kindern, griff dieses Problem auf, sind ihm doch ähnliche Diskussionen vertraut.
Er präsentierte ein Foto der Kirche St. Georg in Hattingen, deren Kirchturm sich sichtbar genau gegen die Windrichtung neigt – physikalisch erklärbar, auf metaphorische Weise als mutigen Widerstand zu deuten. Wie Martin Luther, der den Mut aufbrachte, die 95 Thesen an die Kirche zu Wittenberg anzuschlagen, bedürfe es heutzutage des Mutes eigene Entscheidungen zu treffen, nicht weiter zuzulassen, dass die Erde Schaden nimmt, nicht zuzulassen, dass sich Rassismus, Antisemitismus oder Ausgrenzung ausbreiten. „Lasst das nicht zu!“ , so Dr. Flüchter, vielmehr er rief die versammelte Schulgemeinde auf, ihre „Gaben und Fähigkeiten zu nutzen“ und „standhaft wie Luther zu sein“. „Nutzt euren Verstand! Nutzt eure Kreativität!“
Beschwingte Gospelmusik des Bläserensembles unter der Leitung von Christoph Müller bildete den musikalischen Rahmen des Gottesdienstes. Zwei Gemeinde-Lieder wurden vom Unterstufenchor mit über 60 Schülerinnen und Schülern, geleitet von Christiane Koban-Müller, unterstützt, Beeke Hauschild und Annika Gutberlet sangen mit der Gemeinde die Stücke „Mercy is falling“ und „Da berühren sich Himmel und Erde“, begleitet von Christoph Müller am Keyboard und Jens Niedrich an der Gitarre. Alles in allem war es ein würdiger und beschwingter Gottesdienst, der nachdenklich stimmte. Die klare Botschaft an diesem Reformationstag: „Lasst euch nicht verbiegen. Gott ist auf eurer Seite. Er gibt Kraft, selber zu denken und die Welt zu verwandeln.“
Nils Klatte

