Jüdische Zeitzeugin zu Gast am ACG

Das Schicksal der jüdischen Zeitzeugin Henriette Kretz bewegt ihr junges Publikum.

„Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sind von unschätzbarem Wert.“, mit diesen Worten stellte Herr Weigeldt den Schülern und Schülerinnen der Stufen 10 und Q1 Henriette Kretz vor, eine inzwischen 90-jährige Dame, die die Zeit des Nationalsozialismus hautnah in all ihrer Grausamkeit miterlebt hat. Sie ist eine der wenigen Jüdinnen, die den Holocaust überlebt hat. Lange wird es nicht mehr möglich sein, Berichte von Zeitzeugen und Zeitzeuginnen live zu erleben, und umso dankbarer waren wir für diese Gelegenheit, der Geschichte von Henriette Kretz zuhören zu dürfen.

Henriette Kretz war jung, als der Krieg ausbrach, sie verlor ihre Eltern durch den Holocaust, dem sie selbst knapp entkam. Was Frau Kretz erzählt, bewegt. Sie spricht nicht voller Wut, voller Hass auf die Welt, sondern reflektiert. Und sie liefert uns Schülern und Schülerinnen historisches Wissen, zum Beispiel über die jüdische Religion. Doch Henriette Kretz ist nicht nur gekommen, um ihre Geschichte zu erzählen, sondern ihr ist auch die Botschaft dahinter wichtig.  „Ich komme, weil ich besorgt bin – über ihre Zukunft“ sagte sie uns am Anfang der Veranstaltung. Die Zeiten des Nationalsozialismus sind vorbei, aber „wir Menschen haben noch nicht gelernt zusammenzuleben“ erklärt sie. Immer noch gibt es Krieg, an vielen Orten der Welt.

Eindrücklich appelliert Frau Kretz: „Wir müssen das stoppen!“ Wir beachten viele zu sehr, was uns unterscheidet, uns trennt. Wir sollten uns vielmehr fragen, was uns eint. Wir alle sind Menschen und dessen sollten wir uns immer bewusst sein.
Vielleicht schaffen wir es eines Tages besonnen und fürsorglich zu handeln, statt Menschen solches Leid zuzufügen, wie es Frau Kretz erleben musste. Was wir tun können, um das zu erreichen, sagt sie uns eindeutig: „Probieren Sie ein neues Leben zu machen – nicht eine Diktatur, nicht Hass.“

Es waren intensive zwei Stunden mit der Zeitzeugin. Wir waren betroffen, mitgenommen, bewegt und dankbar, dass Frau Kretz ihr Schicksal mit uns geteilt hat.

Johanna Blomer