In der Stufe Q1 ist seit vielen Jahren eine fächerübergreifende Projektwoche mit dem Titel „Gesundheit, Krankheit, Behinderung, Tod – Menschenbilder“ fest verankert. Lehrer/innen werden zu Moderatorinnen und Moderatoren und begleiten die Schüler/innen bei ihrer interessengeleiteten Recherche, Erarbeitung und Präsentation eines Themas. So verschieden die Themen in den Projektgruppen von Jahr zu Jahr auch sind, so ist ihnen eines gemein. Auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes wird sich mit herausfordernden und diskursiven gesellschaftlichen Themen auseinandergesetzt.
Projektwoche 2026
Im Januar fand erneut das Q1-Projekt „Gesundheit, Krankheit, Behinderung, Tod – Menschenbilder“ statt. Die beteiligten Lehrkräfte wurden zu Moderatorinnen und Moderatoren, die Schülerinnen und Schüler wählten ihre Projektgruppen und füllten sie mit ihren inhaltlichen sowie methodischen Ideen. Die Themen der sechs Gruppen waren wie immer vielfältig: Eine Gruppe beschäftigte sich praktisch-künstlerisch mit dem „Mythos Schönheit“. „Würdevoll sterben?“ lautete die herausfordernde Themenfrage einer anderen Projektgruppe. Mit dem historisch sehr anspruchsvollen Thema “ ´Erfasst, verfolgt, vernichtet´ – Menschen mit Erkrankung und Behinderung im Nationalsozialismus“ befasste sich eine geschichtsinteressierte Gruppe. Zudem gab es eine Projektgruppe, die unter dem Oberthema „Der Automatenmensch“ Gegenwarts- und Zukunftsvisionen einer zunehmend digitalisierten Menschheit beleuchtete und dabei u.a. Arbeitsergebnisse zu Anwendungen von KI und Robotik in der Humanmedizin präsentierte. Die Gruppe „Wann ist ein Mann ein Mann?“ setzte sich aus Personen zusammen, die sich männlich definieren, und beschäftigte sich mit Maskulinität und sich verändernden Männerrollen. Kreative Texte wurden in der Gruppe „Stimmen von früher und heute – Wir schreiben das Leben.“ an besonderen Orten außerhalb der Schule geschrieben. Die selbstverfassten Texte wie Fragen, die zum Nachdenken über die eigene Haltung zu Leben und Tod anregten, wurden später zum Lesen und Weiterdenken vorgestellt.
Die Präsentationen am letzten Tag der Projektwoche waren kurzweilig wie die Titel der einzelnen Gruppen. In großer Selbstständigkeit und unter Beteiligung aller Schülerinnen und Schüler der Stufe Q1 wurden Präsentationen als Plakate, PPP oder in interaktiven digitalen Formaten angeboten. Die selbstgeschaffenen Kunstwerke konnten in einem geführten Museumsgang bestaunt werden, dazu wurden persönliche Bewertungen digital abgefragt und den Gästen gespiegelt. Rundgänge in den jeweiligen Gruppenräumen ermöglichten den besuchenden Mitschülerinnen und Mitschülern ein vertieftes Einlesen in durchaus komplexe und gesellschaftlich kontrovers diskutierte Sachverhalte. Ein Quiz mit diskussionsanregenden Fragestellungen oder das offene, persönliche Schreiben zu teils provozierenden Thesen sorgten für eine aktive Beteiligung vieler. Ob in angeregter Geschäftigkeit oder in nachdenklicher Stille fanden die Schülerinnen und Schüler in allen Themenräumen kompetente sowie motiviert Ansprechpersonen.
Ergebnisse aus den Projektgruppen
„Der Automatenmensch“ – ein Annäherung im Projektformat
Wenn es an unserer Schule einen Rahmen gibt, um sich einmal so richtig und ganz ohne Scheuklappen in ein Thema zu vertiefen, dann sind dies wohl die Projektarbeitsphasen. Und welches Thema drängt sich derzeit mehr auf als Künstliche Intelligenz (KI)? Das Besondere an dieser Woche war die große Freiheit, die wir genossen haben: Wir konnten uns aussuchen, mit welchen spezifischen Teilbereichen wir uns auseinandersetzen wollten. So näherten wir uns dem komplexen Phänomen KI nicht nur von der rein technischen, sondern ganz bewusst auch von der historischen und der philosophischen Seite.
Begleitet von Frau Neuhaus und unserer Semesterpraktikantin Frau Sternberg erarbeitete sich unsere Projektgruppe das Thema von den gedanklichen Grundvoraussetzungen bis hin zur neuen Spezies. Zunächst standen technische Fragen im Raum: Wie funktionieren diese KI- Modelle eigentlich? Eine der wichtigsten und be(un)ruhigendsten Erkenntnisse dabei war: Sie „denken“ nicht wie wir, und sie „fühlen“ schon gar nicht wie wir.
Bei der kritischen Reflexion aktueller Medienberichte wurde uns zudem schnell klar, dass KI heute oft zu einem extremen Hypethema gemacht wird. Viele Schreckensmeldungen sind schlichtweg überzogen. So lässt sich beispielsweise feststellen, dass es bisher zu keinem tatsächlichen, rein durch KI begründbaren Massenverlust von Arbeitsplätzen gekommen ist. Passend dazu gibt es einen klugen Leitspruch im Umgang mit neuen Technologien: „Ignore the hype, but see the potential“ (Ignoriere den Hype, aber erkenne das Potenzial). Genau diesen Ansatz haben wir verfolgt.
Ein persönliches Highlight und der intellektuelle Höhepunkt der Woche waren für mich zwei philosophische Blöcke. Wir lasen unter anderem den Text „Über das Wesen der Maschine“ von Martin Heidegger mit dem Amos Alumini Ridge Sagcal sowie den Text von Martin Buber „Das dialogische Prinzip“
Um die langfristigen, teils noch in ferner Zukunft liegenden Entwicklungen von KI greifbar zu machen, erwiesen sich zwei zentrale Begriffe als enorm hilfreich: Transhumanismus und Posthumanismus. Während der Transhumanismus die technologische Erweiterung und Ergänzung des Menschen beschreibt, geht der Posthumanismus von der Ablösung des Menschen als „Krone der Schöpfung“ durch überlegene Maschinen aus. Interessant ist dabei die Beobachtung der Tech-Giganten: Viele CEOs großer KI-Firmen umschiffen diese Debatte gerne. Nach außen hin geben sie sich als Transhumanisten, ihre Handlungen und Visionen lassen sie in Wirklichkeit aber oft eher als Posthumanisten erscheinen.
In diesem Kontext hatte ich das Vergnügen, mich mit dem Buch „Novozän“ von James Lovelock zu beschäftigen. Lovelock, der 2022 im Alter von 103 Jahren verstarb, war ein hochangesehener britischer Wissenschaftler, Erfinder und Umweltschützer. Weltberühmt wurde er durch seine „Gaia-Hypothese“, die die Erde als einen gigantischen, sich selbst regulierenden Organismus beschreibt. In seinem letzten Buch entwirft er eine alternative, überraschend optimistische — wenn auch intellektuell etwas sperrige — Zukunftsaussicht für das Zusammenleben von Mensch und hyperintelligenter KI.
Rückblickend hat sich das Format der Projektwoche hier von seiner allerbesten Seite gezeigt: Sie ermöglichte uns eine wirklich intensive, vielschichtige und ungestörte Beschäftigung mit dem wohl prägendsten Thema unserer Zeit.
(Matthias Bujtor, Q1)
„„Erfasst, verfolgt, vernichtet“: Menschen mit Behinderung und Erkrankte im Nationalsozialismus“
Thematisch startete das Projekt zwischen menschenverachtender Ideologie und pseudowissenschaftlicher Begründung. Wir begannen mit einem gemeinsamen Ausgangspunkt, der die ideologischen Grundlagen für die Tötung und Zwangssterilisierung von Hunderttausenden schuf.
Danach war das Projekt in der inhaltlichen Ausrichtung ausschließlich schülergesteuert. Es entwickelte sich dadurch eine breite Spanne von Themenausrichtungen: Verfolgung und Ermordung von Behinderten in der NS-Zeit, Auswertung von Opferschicksalen, Umgang mit dem Gedenken an die Verbrechen nach 1945, aber auch gegenwartsbezogene Untersuchungen wie die Frage nach staatlichen Euthanasieprogrammen in der heutigen Zeit.
In einem Workshop mit dem NS-Dokumentationszentrum am Dienstag beschäftigte sich die Gruppe noch näher mit Einzelschicksalen aus dem Raum Bonn in den 1930er und 1940er Jahren.
Durch die Arbeit vor Ort, im Haus der Geschichte und Umfragen in der Stadt konnte die Gruppe eine differenzierte Perspektive auf das Thema erschließen und diese mit Fallbeispielen illustrieren. Die Präsentation der Ergebnisse erfolgte über eine Ausstellung der einzelnen Arbeitsgruppen.
(Moderatoren Johannes Steinbrück und Alexander Striethorst)
Mythos Schönheit – ein Thema, vielfältige Ideen
Im Rahmen des Q1-Projekts haben wir uns in unserer Gruppe „Mythos Schönheit“, die von Herrn Umlauff moderiert wurde, intensiv mit dem Tabuthema des Schönseins auseinandergesetzt. Wir haben uns kreativ mit einem Thema beschäftigt, das im Alltag von jeder und jedem eine große Rolle spielt, jedoch nur selten offen thematisiert wird.
Am Montag starteten wir mit einer gemeinsamen Einführung, damit alle ungefähr auf demselben Stand waren. Danach haben wir uns in kleinere Gruppen aufgeteilt und Ideen gesammelt. In einer abschließenden Besprechung haben wir festgelegt, wer was macht und wie wir die Woche planen. Am Nachmittag konnten noch Materialien besorgt werden, einige von uns fingen jedoch schon vormittags an, an ihren Projekten zu arbeiten.
Am Dienstag arbeiteten alle weiter an ihren eigenen Projekten. In dieser Zeit entstand auch schon eine der beiden Fotografien, die zweite wurde am nächsten Tag aufgenommen. Insgesamt sind im Laufe der Woche eine Plastik, zwei gemalte Bilder, ein Video und zwei Fotografien entstanden. 
Am Donnerstag wurden schließlich alle Arbeiten fertiggestellt und in der Gruppe vorgestellt. Jede Untergruppe erklärte kurz die eigene Idee, und man konnte gut sehen, wie unterschiedlich alle das Thema Schönheit umgesetzt haben.
Das Arbeitsklima während der ganzen Woche war sehr entspannt, offen und motivierte uns zur künstlerischen Auseinandersetzung. Wir hatten viel Gestaltungsfreiheit, konnten selbstständig arbeiten und hatten trotzdem immer eine Ansprechperson, die alle Ideen unterstützt hat. Insgesamt hat die Projektwoche in der Gruppe mit dem Mythos vom Thema Schönheit viel Spaß gemacht und war eine schöne Abwechslung zum normalen Unterricht.
(Claartje Lindecke, Q1)
„Wann ist ein Mann ein Mann?“
Die Projektwoche hat für uns am Montagmorgen fast so wie jeder Schultag angefangen. Ich war sehr interessiert an dem Thema „Wann ist ein Mann ein Mann?“, weil ich mir noch nichts wirklich unter dem Projektthema vorstellen konnte. Begonnen haben wir zusammen mit unserem Moderator Herrn Funke mit einem Video, in dem einer Schulklasse verschiedene Fragen über das Thema Männlichkeit gestellt wurden und diese sich im Nachhinein auf einer Skala von „voller Zustimmung“ bis „gar keine Zustimmung“ positionieren mussten. Wir haben diesen Versuch in unsere Gruppe nachgemacht und anschließend unsere Ergebnisse mit dem der Schulklasse verglichen. Dies hat uns gezeigt, wie verschieden doch über Männlichkeit gedacht wird.
Das Highlight der Woche war der Besuch in einem Hilfezentrum für Männer, wo uns die Problemlage erklärt wurde, dass es z.B. oft unrealistische Erwartungen an Männer gibt, die dann in krankhaftem Sport oder Schlimmerem enden. Außerdem haben wir darüber erfahren, dass Männer sich oft gegen einen Besuch bei einem Therapeuten oder einer Therapeutin entscheiden, da das als „klassisch feminin“ angesehen wird. Abschließend haben wir noch über mögliche Lösungsansätze gesprochen. 
Insgesamt fand ich die Woche äußerst spannend und auch eine gute neue Idee, da dieses Projekt zum ersten Mal angeboten worden ist. Ich hätte mir nur gewünscht, dass die Präsentation, die die Schüler halten mussten, am Ende etwas freier gestaltet worden wäre. Wir haben in der Woche so viel Neues gelernt, dass es relativ schwer war, alles in 25 Minuten an andere weiterzugegeben.
(Friedrich Rulands, Q1)
„Stimmen von früher und heute – Wir schreiben das Leben.“
Am ersten Tag der Projektwoche saßen wir mit der ganzen Gruppe zum Projekt-Motto “Stimmen von früher und heute – Wir schreiben das Leben.” und unserer Moderatorin Frau Harperscheidt in einem Café in Bad Godesberg. Unsere erste Aufgabe war es, dreißig Minuten alles zu beobachten ohne zu reden. Anschließend wurden die Eindrücke der letzten halbe Stunde sowie erste Schreibideen ausgetauscht. Es war sehr unterschiedlich, wer bzw. was uns bei dieser Übung besonders aufgefallen ist. Wo sich aber alle einig waren: wir konnten viel beobachten, was wir normalerweise gar nicht wahrgenommen hätten.
Den nächsten Tag verbrachten wir zunächst auf dem Bad Godesberger Burgfriedhof. Dabei fiel uns vor allem der Kontrast zwischen den Gräbern auf. Teilweise standen uralte Gräber direkt neben Gräbern mit frischen Blumenkränzen mit Trauerband. Die Zeit auf dem Friedhof brachte uns auch über Bestattungsformen in unserem nahen Umfeld ins Gespräch. Eine Schülerin ist zum Beispiel schon einmal auf einer Seebestattung gewesen, eine andere erzählte von einem Verwandten, der in einem Mausoleum begraben worden ist. Wir haben gemerkt, dass die Bestattungsmöglichkeiten eines Menschen inzwischen genauso vielfältig und individuell sind wie dessen Lebensgestaltung.
Der Besuch im Hospiz am Donnerstag war noch einmal eine besondere Auseinandersetzung mit dem Thema Krankheit und Tod. Frau Hartig, eine Mitarbeiterin des Hospizvereins Bonn e.V., hat uns durch das Gebäude geführt und auch ihre Erfahrungen zur Arbeit im Hospiz mit uns geteilt. Besonders interessant war ein Raum des Gedenkens für uns; dort werden gebastelte Sterne aufbewahrt, die für je einen im Hospiz verstorbenen Menschen stehen.
Wir haben in vier Tagen sehr unterschiedliche Perspektiven auf den Tod und das Leben kennen gelernt und in individuellen, kreativen Texten verarbeitet. Dies wurden am fünften Tag – anonymisiert – den anderen Projektgruppen vorgestellt.
(Mathilda Pries, Q1)
„Würdevoll sterben?“ – Unsere Projektwoche
Wir beschäftigten uns fünf Tage mit dem Thema „Würdevoll sterben?“. Dabei setzten wir uns intensiv mit Hospizarbeit, Sterbebegleitung und den Menschen auseinander, die am Lebensende Unterstützung brauchen.
Frau Strittmatter und Frau Goertz als Moderatorinnen unserer Gruppe organisierten am ersten Tag einen Besuch im Hospiz des Waldkrankenhauses. Vor Ort erhielten wir viele spannende Informationen über die Arbeit im Hospiz und die Begleitung von schwerkranken Menschen. Besonders beeindruckend für uns war die räumliche Gestaltung des Hospizes. Es erinnerte kaum an ein Krankenhaus oder Altenheim, sondern wirkte eher ruhig, freundlich und persönlich. Es gab verschiedene besondere Räume, zum Beispiel betonte Hannah die besondere Atmosphäre im Raum der Stille und die Art des Gedenkens durch beispielsweise die Fröbelsterne. Zum Abschluss unseres Besuches machten wir eine Übung, bei der wir nach einem Zufallsprinzip Karten abgeben mussten. Dies sollte uns einen kleinen Einblick darin geben, wie sich Menschen fühlen, welche nach und nach zum Beispiel ihre Lebensfähigkeiten oder auch Geliebtes ohne eigenen Einfluss verlieren. Besonders nachdenklich machte uns die Information, dass es in ganz Deutschland nur etwa 2.500 Hospizplätze gibt, während die Nachfrage deutlich höher ist und längst nicht alle Menschen aufgenommen werden können.
Am zweiten Tag arbeiteten wir in der Schule weiter. Jede Person aus unserer Gruppe wählte ein passendes Unterthema, zu dem wir selbstständig recherchierten. Dazu gehörten unter anderem das Erwachsenen-Hospiz, das Kinderhospiz und das Thema Sterbehilfe. So konnten wir unser Wissen vertiefen und verschiedene Perspektiven kennenlernen.
Am Mittwoch besuchten wir den Deutschen Kinderhospizverein e.V. in Bonn. Dort lernten wir, dass sich diese Organisation nicht nur um lebensverkürzend erkrankte Kinder und Jugendliche kümmert, sondern auch deren Familien begleitet. Besonders Geschwisterkinder stehen oft im Hintergrund und bekommen hier gezielte Unterstützung. Beeindruckend war außerdem, dass alle Mitarbeitenden ehrenamtlich tätig sind. Lars meinte, dass ihn der Baum, an dem die erkrankten Kinder zu sehen sind, sehr mitgenommen und berührt hat, da dort jedes Kind für immer einen Platz im Herzen der Organisation hat.
Am Donnerstag arbeiteten wir noch einmal intensiv an unseren jeweiligen Themen, um alles für den letzten Tag vorzubereiten. Am Freitag stellte schließlich jede Gruppe ihr Thema vor und präsentiert die Ergebnisse der Projektwoche.
Auch wenn sich unsere Gruppe mit einem insgesamt traurigen und sehr intensiven Thema beschäftigte, haben wir dennoch viel gelernt und konnten als Gruppe enger zusammenwachsen. Vor allem haben wir gelernt, dass das Thema Sterben nicht nur dunkel und traurig ist, sondern oft auch von Nähe, Menschlichkeit, Respekt und Würde geprägt ist. Diese Projektwoche hat uns einen wichtigen Einblick in ein Thema gegeben, mit dem man sich sonst meist erst sehr spät im Leben befasst.
(Luca Gahl und Rachel Hooper, Q1)

