Zweiter Platz beim Facharbeitspreis der theologischen Fakultäten geht an Amos-Schülerin.
Maria Magdalena: Die Sünderin, die Prostituierte, vielleicht sogar die heimliche Geliebte von Jesus? Viele Mythen ranken sich um die Frau, von der in den Evangelien des Neuen Testaments auch als sprachfähige Geheilte und Auferstehungszeugin Jesu berichtet wird. Dieses ambivalente Bild hat Julia Mann, Schülerin der Q1, in ihrer hervorragenden Arbeit im Fach Evangelische Religionslehre zu dem heutigen Begriff des „Slut-Shamings“ in Beziehung gesetzt und damit den zweiten Platz des alljährlichen Ökumenischen Facharbeitspreises der theologischen Fakultäten der Universität Bonn gewonnen.
In der Laudatio, die von der Pfarrerin Dagmar Gruß gehalten worden ist, wurde betont, dass Julia in ihrer Arbeit „die Bibel in einen sozialpsychologischen Referenzrahmen gestellt, die sozialwissenschaftliche Exegese der feministischen Theologie zur Kenntnis genommen und gendersensibel die verzerrende Rezeption von biblisch nicht klar voneinander abgrenzbaren Frauengestalten wahrgenommen hat.“
Bei der feierlichen Preisverleihung im Festsaal der Universität Bonn am 15.05. hat Julia neben dem Preisgeld von 250€ eine weitere Belohnung bekommen: Sie durfte sich aus der Bibliothek einer Theologin, die viele Bücher zur feministischen Theologie besitzt, einige Werke für ihr eigenes Bücherregal aussuchen! Bei der Laudatio wurde die Bedeutung von Julias Arbeit hervorgehoben und sie selbst wurde ermutigt, „auf diesem Wege weiterzumachen. Gerade dort aufmerksam zu sein, wo andere es nicht sind. Wenn Gerechtigkeit ein anderer Name Gottes ist, brauchen wir dringend solche Ansätze, die aufdecken, wie das Liebesgebot in der Auslegungsgeschichte durch sexistisches Machtgebaren verstellt und verraten wurde und wird“. Eine angemessene Würdigung einer besonderen Facharbeit!
Lisa Appel

