Der gelbe Vogel

Das „Theater am ACG“ spielte Myron Levoys „Der gelbe Vogel“

Kurz vor den Osterferien führte das „Theater am ACG“ Myron Levoys Stück „Der gelbe Vogel“ auf. Darin geht es um das traumatisierte Mädchen Naomi, das sich für den Tod ihres Vaters, der Widerstandskämpfer war, verantwortlich fühlt und vor den Augen Naomis von den Nazis ermordet wurde. Naomi lebt inzwischen – es ist der Sommer 1944 – im New Yorker Stadtteil Queens, in dem sich viele Juden angesiedelt haben, und sie zeigt starke posttraumatische Belastungsstörungen, mit denen der Nachbarsjunge Alan konfrontiert wird. Alan selbst macht bei seiner Hilfe für das Mädchen eine komplizierte Entwicklung durch und lernt, für das einzustehen, was ihm wichtig ist: die Freundschaft zu Naomi, die er zunächst aus Scham vor seinen Freunden geheim gehalten hatte.

Die Schüler*innen der Theatergruppe spielten das Stück in zwei Besetzungen, die so gut agierten, dass das durchaus beklemmende Thema von allen eindrucksvoll in Szene gesetzt wurde. Besonders Finja Scholl und Merle Fuß in der Rolle des jungen Alan ragten heraus, zumal die Rolle bei weitem den längsten Text aufwies. Aber auch die Schwestern Anna und Marie Krause in der Rolles der traumatisierten Naomi überzeugten, insbesondere in der anspruchsvollen Darstellung der emotional gefärbten Rückblenden ihres dargestellten Charakters.

Aktualität erlangt das Stück unter anderem dadurch, dass jeden Tag tausende Erwachsene und Kinder aus ihren Heimatländern (z.B. der Ukraine) vor Krieg, Bomben, Gewalt und Verfolgung fliehen müssen, sodass wir in Deutschland lernen müssen, mit traumatisierten Menschen umzugehen, sie zu verstehen und ihnen mit viel Einfühlungsvermögen zu begegnen. Verlässliche, vertraute Personen und Erfolgserlebnisse sind notwendig, denn die menschliche Psyche ist so verletzlich wie ein Schmetterling.

Von Anette Niefindt-Umlauff und Nils Klatte